Dresden 1945
Dresden im Winter 1944/1945
In den ersten Wochen des Jahres 1945, im sechsten Jahr des Zweiten Weltkriegs, rückte der Krieg immer näher an Dresden heran: die sowjetischen Truppen erreichten die Ostgrenze Sachsens, bereits zum zweiten Mal hatten amerikanische Bomber die Stadt angegriffen. Schon lange bestimmte der Krieg auch den Alltag der Dresdner – verbunden mit immer zahlreicheren Einschränkungen und Belastungen, mit dem allgegenwärtigen Gefühl der Bedrohung, mit der Sorge um die Angehörigen an der Front und in den bombardierten Städten des Westens.
Wie jede deutsche Großstadt war Dresden vielfältig in den Krieg eingebunden – als bedeutender Militärstandort, als Verkehrsknotenpunkt und als eines der wichtigsten noch verbliebenen Rüstungszentren. Zum Alltag gehörten wie überall im »Dritten Reich« auch in Dresden rassistische Ausgrenzung, politische Überwachung, systematische Entrechtung, Gefängnis, Deportation und staatlich organisierter Mord. Die alte sächsische Residenz war längst kein Ort weltentrückter Kunstsinnigkeit mehr.
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Die alliierten Luftangriffe auf Dresden
In der zweiten Februarwoche des Jahres 1945 starteten die westlichen Alliierten eine neuerliche großangelegte Offensive ihrer Bomberflotten. Ihr Ziel waren die verbliebenen Ölraffinerien und Städte Mitteldeutschlands, die sich nun bereits im Hinterland der Ostfront befanden.
Jede Nacht wurden fast 1500 britische Flugzeuge, jeden Tag eine noch größere Flotte amerikanischer Bomber und Jagdflugzeuge gegen Deutschland entsandt. Systematisch griffen sie Stadt für Stadt in Mitteldeutschland an: Dresden, Chemnitz, Cottbus und viele weitere.
In der Nacht des 13. Februar 1945 reichte die Hälfte der eingesetzten Flugzeuge in zwei aufeinander folgenden Angriffen aus, im Zentrum Dresdens einen gewaltigen Feuersturm zu entfachen, gegen den es keine Gegenwehr mehr geben konnte.
Katastrophe und Trauma
Am 14. Februar folgten amerikanische Bomber, am Vormittag des folgenden Tages barst das ausgeglühte Mauerwerk der Frauenkirche unter der Last der steinernen Kuppel. Der späte Einsturz der Kirche wurde zur symbolischen Vollendung der Katastrophe; der verbleibende Schuttberg markierte nun das Zentrum einer 12 Quadratkilometer großen Fläche nahezu vollständiger Zerstörung.
»Dresden war jetzt wie der Mond«, berichtete der amerikanische Schriftsteller und Augenzeuge Kurt Vonnegut.
Inmitten dieser aufgerissenen, zerschmetterten, verschütteten Stadtlandschaft waren Tausende Menschen getötet worden – erschlagen von Bomben oder einstürzenden Gebäuden, verbrannt in der Gluthitze des Feuersturms, erstickt in den Kellern unter der brennenden Stadt. Der elende Zug der Überlebenden, die sich aus dem zerstörten Stadtzentrum schleppten, wurde für Dresden zum Sinnbild des verlorenen Krieges. Die Erfahrung von ohnmächtigem Ausgeliefertsein und Todesangst, von Zerstörung und Verlust war nun eingeschrieben in die Biografien der Menschen und der Stadt.
Weiterleben in Trümmern
Unter schwierigsten Bedingungen mussten die verbliebenen Dresdner nun vor allem ihr Weiterleben sichern. Die Militärs und Behörden in der zerstörten Stadt hatten allerdings andere Prioritäten: Dresden hatte rasch wieder für den längst verlorenen Krieg tauglich zu werden. Wenige Wochen nach der Katastrophe wurde Dresden zur »Festung« erklärt; noch in den beiden letzten Tagen des Krieges starben sowjetische Soldaten bei der Besetzung der zertrümmerten Stadt.
Autor: Matthias Neutzner










